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KI in der Fotografie: So setze ich sie wirklich ein

Wo KI-Hintergründe und Retusche echten Mehrwert bringen und wo echte Fotos unersetzlich bleiben.

„KI wird Fotografen ersetzen.“ Diesen Satz höre ich seit zwei Jahren regelmäßig. Oft von denselben Leuten, die mich kurz darauf fragen, ob ich nicht schnell ein paar Fotos für ihre Website machen kann.

Die große Grundsatzdebatte will ich hier nicht führen, die läuft eh überall. Ich zeige lieber, wie ich KI in meinem Arbeitsalltag als Fotografin in Linz tatsächlich nutze. Wo sie hilft, wo sie Kunden Zeit und Budget spart und wo sie bei mir nichts verloren hat.

Kurz vorweg: KI ist für mich ein Werkzeug, so wie Photoshop oder ein gutes Objektiv. Was ein Bild zeigen soll, entscheide weiterhin ich, gemeinsam mit meinen Kunden.

Ein Studiofoto, drei Schritte

Am Anfang steht ein ganz normales Studioportrait: kontrolliertes Licht, ruhige Atmosphäre, kein Zeitdruck. 

Die Jacke hatte sie beim Shooting gar nicht an. Die habe ich separat auf einer Hollowman-Puppe fotografiert, also einer Schaufensterpuppe, die im fertigen Bild unsichtbar bleibt. Mit KI wurde ihr die Jacke dann „angezogen“.

Im dritten Schritt kam der Hintergrund dazu: verschneite Treppe, Glasfassade, Wintersonne. 

Warum dieser Aufwand? Die Jacke ist echt fotografiert, mit echtem Schnitt, echter Farbe und echtem Material. Das Gesicht ist echt, der Ausdruck auch. Wer aber im Oktober ein Winterbild für die Jänner-Kampagne braucht, müsste sonst auf Schnee warten, eine Location organisieren und mit jedem Outfit neu shooten.

Damit das glaubwürdig wirkt, muss alles zusammenpassen. Kommt das Studiolicht von links und die KI-Sonne von rechts, merkt man das, auch wenn man nicht sofort sagen kann, warum. Deshalb plane ich solche Bilder schon beim Shooting mit: Lichtrichtung, Perspektive und Kamerahöhe müssen zum späteren Ergebnis passen.

Wenn KI die bessere Lösung ist

Komplett KI-generierte Kategoriebilder für einen neuen Onlineshop.

Manchmal ist es schlicht nicht sinnvoll, alles zu fotografieren. Für einen neuen Onlineshop im Gesundheitsbereich haben wir rund 80 Kategoriebilder erstellt, und zwar komplett mit KI.

Ein Klick auf „generieren“ war das aber nicht. Mit dem Kunden haben wir zuerst den Bildstil festgelegt, dann welche Kategorien ein eigenes Bild bekommen und wie tief es in die Unterkategorien geht. Mit der Webagentur haben wir Formate und Look gleich ans neue Shopdesign angepasst.

Danach begann die eigentliche Arbeit, und die war nicht an einem Tag erledigt. Auch mit dem passenden KI-Programm entsteht ein stimmiges Bild selten auf Anhieb. Licht, Farbstimmung, Räume, Personen und Kleidung müssen über alle 80 Bilder zusammenpassen, damit der Shop wie aus einem Guss wirkt. Uns war außerdem wichtig, dass sich unterschiedliche Menschen in den Bildern wiederfinden: verschiedene Altersgruppen, Typen und Lebenssituationen. Also hieß es generieren, prüfen, verwerfen, nachschärfen. Manchmal ein Dutzend Mal pro Bild.

Genau dafür braucht es denselben Blick wie bei einem Shooting. Die KI liefert Varianten, entscheiden muss trotzdem jemand, der weiß, wann ein Bild stimmt.

Warum hier keine Kamera? Jede Kategorie mit eigenem Set, Requisiten und teilweise Models zu fotografieren hätte Wochen gedauert und das Budget gesprengt. Außerdem zeigen diese Bilder keine konkreten Produkte, Mitarbeiter oder Räume des Unternehmens. Sie geben Orientierung und transportieren Stimmung, und genau dafür ist KI ein passendes Werkzeug.

Und das sage ich als Fotografin. Gute Beratung heißt für mich nicht, das größte Shooting zu verkaufen, sondern das passende.

Wie das Ganze im fertigen Shop aussieht, zeige ich, sobald er online ist.

Kleine Eingriffe, große Zeitersparnis

Ein Kabel am Boden, ein Feuerlöscher an der Wand, ein Aufdruck am Shirt, der nicht ins Bild soll. Oder ein Kleidungsstück, das in der Firmenfarbe besser aussehen würde. Früher waren das Stunden in der Retusche, heute sind es oft Minuten.

Für Kunden heißt das: schneller fertige Bilder und mehr Varianten zum gleichen Budget.

Das Bild bleibt dabei ein echtes Foto, mit einer echten Person an einem echten Ort in einem echten Moment. Die KI räumt nur auf.

Offen damit umgehen

Wo KI im Spiel ist, bespreche ich das mit meinen Kunden vorab: was echt bleibt, was ergänzt wird und wofür die Bilder genutzt werden. Hat ein Bild deutliche KI-Anteile, wird das gekennzeichnet, so wie hier im Beitrag.

Das ist nicht nur Pflicht, sondern auch eine Frage des Vertrauens. Bilder sollen Vertrauen schaffen, und das entsteht nicht, wenn man im Nachhinein draufkommt, dass etwas nicht stimmt.

Wo KI bei mir nichts verloren hat

Sobald ein Bild zeigen soll, wie ein Unternehmen wirklich ist, verzichte ich bewusst auf KI:

  • Mitarbeiterportraits: Wer auf der Karriereseite zu sehen ist, ist auch wirklich im Team. Keine generierten Gesichter, keine „optimierten“ Menschen.
  • Betriebe und Produktion: Wer seine Halle, seine Maschinen oder seine Werkstatt zeigt, zeigt die echte. Bewerber und Kunden kommen irgendwann vorbei und vergleichen.
  • Produkte im Detail: Was im Shop als Detailfoto steht, muss genau so beim Kunden ankommen.

Dazu kommt: Realistisch wirkende KI-Bilder müssen laut EU AI Act als solche gekennzeichnet werden. Kaum ein Unternehmen will unter seinem Teamfoto den Hinweis „KI-generiert“ stehen haben. Das wirkt nach außen nicht innovativ, sondern unecht.

Mein Grundsatz lautet „Bilder, die überzeugen – nicht nur gefallen.“ KI kann gefallen. Überzeugen tut, was echt ist.

Fazit

KI macht Fotografie nicht überflüssig, aber sie erweitert, was möglich ist: Umgebungen, die schwer erreichbar wären, schnellere Retusche und Lösungen für große Bildmengen. Die Grundlage bleibt trotzdem dieselbe: echtes Licht, echte Menschen und ein Blick dafür, was ein Bild erzählen soll.

Ob klassisches Shooting in Linz und Oberösterreich, Studiofoto mit KI-Hintergrund oder eine Mischung aus beidem: Im Gespräch finden wir heraus, was für Ihr Vorhaben Sinn macht.